5 Fragen an … Bastian Sick, 50 Jahre, Autor und Entertainer

Die Besonderheiten der gesprochenen und geschriebenen Sprache sind seine Welt: Bastian Sick, der als Autor beim Spiegel mit seiner Zwiebelfisch-Kolumne Berühmtheit erlangte, hat mittlerweile nicht nur diverse Bücher geschrieben, sondern tourte schon mit seinem Bühnenprogramm durch Deutschland und moderierte Fernsehshows. Eines seiner nächsten Projekte ist ein unterhaltsames Grammatikbuch für Schüler, aber gerade ist erst einmal sein sechster und letzter Band der äußerst erfolgreichen Reihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ erschienen.

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Lieber Herr Sick,

1. haben Sie sich schon als Kind für Worte und Sprache interessiert?
Die Sprache hat mich begeistert, seit ich denken kann. Kaum hatte ich schreiben gelernt, begann ich, Geschichten zu verfassen – in teilweise noch sehr abenteuerlicher Orthografie. Meinen ersten Fortsetzungsroman schrieb ich mit elf Jahren, und ich durfte in jeder Deutschstunde ein Kapitel daraus vorlesen. In der Mittelstufe verfasste ich Theaterstücke, die ich mit Mitschülern einstudierte und vor Eltern und Lehrern aufführte.

2. Welche waren Ihre Lieblingsbücher als Kind?
Die Bücher von Max Kruse. Das Urmel, Löwe und Don Blech haben meine Fantasie entzündet wie eine ölgetränkte Fackel, die gar nicht mehr aufhören wollte zu brennen. Und genauso verschlang ich alles von Astrid Lindgren, Erich Kästner, Michael Ende und Otfried Preußler. Auch Enid Blyton, Wolfgang Ecke und die drei Fragezeichen habe ich gern gelesen. Und ab und zu lese ich diese Bücher heute wieder und freue mich an der schönen, klaren Sprache. Bei Kruse, Preußler und Co. findet man auch noch zahlreiche Genitive, darum war der Genitiv für mich von Anfang an ein selbstverständlicher Fall.

3. Wie kann man Kindern ein Interesse für Sprache vermitteln und worauf sollte man bei der Sprachvermittlung achten?
Vorlesen ist ein wirkungsvolles Mittel, denn es baut gleichzeitig Sprachgefühl und eine zwischenmenschliche Bindung auf. Kinder „ruhigzustellen“, indem man sie vor den Fernseher setzt oder stundenlang auf ihren Tablets spielen lässt, führt früher oder später zu Verhaltensstörungen. Manche Eltern glauben auch, sie würden ihre Kinder mit bestimmten Büchern und vor allem mit Regeln überfordern, aber das stimmt nicht. Kinder entscheiden selbst, wann sie überfordert sind. Viele WOLLEN lernen und so viel wie möglich in sich aufsaugen. Gebt ihnen das Lese- und Lernfutter, das sie brauchen, lasst sie noch eine gebundene Schreibschrift lernen und ein paar Gedichte auswendig lernen. Damit sie eines Tages mehr können als chatten, posten und whatsappen.

4. Was halten Sie von den Jugendwörtern des Jahres wie beispielsweise „Babo“?
Die Jugendwörter entstammen natürlich immer dem Jargon einer kiezgeprägten Großstadtjugend. Da fallen Ilse und Willi in ihrem Dorf in der Eifel verständlicherweise vom Glauben ab. Es scheint zudem, dass die Wahl eines „Jugendwortes des Jahres“ vor allem für die Medien erfunden wurde, denn die Zeitungen und Radiosender berichten regelmäßig darüber, so wie sie auch regelmäßig über das „Unwort des Jahres“ berichten und mich alle Jahre wieder am „Tag der Muttersprache“ um ein Interview bitten. Den Ottonormalbürger lässt die Wahl eines Jugendwortes des Jahres wohl eher kalt

5. Wie sehen Sie die heutige Entwicklung in der Jugendsprache?
Mit einer Mischung aus Spaß, Interesse und sehr viel Gelassenheit. Denn die Jugendsprache in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

Lieber Herr Sick, herzlichen Dank für das Interview und viel Spaß und Erfolg mit Ihren weiteren Projekten!

 

Buchcover Bastian SickBuchtipp:
Auf unterhaltsame und nachdenkliche Weise ermittelt Bastian Sick in Sachen Sprache und erfreut damit ein breite Leserschaft. Gerade ist der sechste und letzte Fall in der Reihe erschienen, die sich seit 2004 millionenfach verkauft hat. Auch in diesem Band finden sich wieder bemerkenswerte sprachliche Phänomen und Fragen, denen Bastian Sick nachgeht.

Bastian Sick, KiWi-Verlag, November 2015, 272 Seiten, 9,99 Euro

Foto: Bastian Sick, Buchcover: Kiwi-Verlag, Interview: Ingrid Sellien

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