5 Fragen an… Rike, 37 Jahre, Clown

Clowns unter sich

Rike als „Spagetta“ (rechts) mit Clownskollegin Jennifer „Bagetta“ (links)

Rike ist ein waschechter Clown und sorgt auf Kindergeburtstagen, Hochzeiten und vielen anderen Veranstaltung für Spaß und gute Laune. Als Vorstandsmitglied und Mitgründerin des gemeinnützigen Vereins Clowns im Einsatz unterstützt sie außerdem hilfebedürftige Menschen in Krankenhäusern oder Altersheimen auf ganz besondere Weise.

Liebe Rike,
Du bist ein echter Clown und hast es dir zur Aufgabe gemacht, Menschen zum Lachen zu bringen. Aber wie wird man eigentlich ein Clown?

Nach der Schule habe ich gesehen, wie frustriert viele Leute zur Arbeit gehen – und gestresst Abends wieder zurück kommen. Das wollte ich für mich nicht. Mir kam die Idee, einen Beruf zu erlernen, mit dem ich Menschen eine Freude bereiten und trotzdem was bewegen kann. Nach einer Lehre als Raumausstatterin habe ich mich dann tatsächlich in Hannover an der Clownsschule beworben. Parallel dazu habe ich mich als Tanzpädagogin ausbilden lassen, da ich viel mit Körperkomik arbeite.

Muss man als Clown auch privat sehr witzig sein oder legst Du zu Hause deine Rolle zusammen mit all der Schminke und Deinem Kostüm ab – bis der nächste Auftritt wider auf Dich wartet? 

Nein, eigentlich bin ich privat nicht witziger als andere auch. Interessant ist allerdings die Erwartungshaltung der Menschen, die mich in der Rolle des Clowns kennenlernen. Mir ist aufgefallen, dass die Wahrnehmung sich verändert,  nach dem Motto: Wenn ich einen Clown treffe, muss er ja witzig sein. Besonders schön sind auch Sprüche wie: „Mach doch mal was Witziges!“ Auf der anderen Seite kennt auch jeder die Idee des depressiven, melancholischen Clowns – Menschen, die nur auf der Bühne das Fröhliche aus sich herauskehren. Ich kann nur sagen, die Clowns, die ich kenne, sind alle nicht depressiv (lacht).

Erzähl uns, was Du besonders an Deinem Beruf liebst und was den Beruf des Clowns so einzigartig macht? 

Rike auf Veranstaltung

Spagetta macht es spannend! Was wohl in der Tasche ist?

Spannend an meiner Rolle als Clown finde ich, dass ich Menschen Freude bringen und gleichzeitig auf brenzlige Themen aufmerksam machen kann. Zum Beispiel wenn ich in der Akut-Station für Kinder und Jugendliche junge Leute treffe, die sich das Leben nehmen wollen: Ich als Clown sehe in dem Moment „nur“ den Menschen. Wenn ein Kind sich beispielsweise die Arme geritzt hat, fragt der Clown nach: „Was ist das denn für ein spannendes Muster auf Deinem Arm?“ Für einen Clown gibt es kein Tabuthema. Im Gegenteil: Er nimmt genau auf dieser Ebene Kontakt mit seinem Gegenüber auf – so findet eine Art der Berührung statt. Meine Arbeit ist nicht unbedingt fröhlich, wie vielleicht viele denken. Ich als Clown kann auch darüber weinen, dass ein Kind sterben will – ich darf authentisch sein und das gefällt mir. Oft spiegel ich mein Gegenüber, so finden wir gemeinsam eine vertrauensvolle Ebene und begeben uns zusammen auf ein Abenteuer – das kann mal laut, mal leise, mal verzweifelt, mal fröhlich sein. Im Krankenhaus und in der Psychiatrie lasse ich mich ganz behutsam auf die jeweilige Situation ein, während ich auf der Bühne selbst eine emotionale Richtung vorgebe. Meine Arbeit ist daher sehr vielseitig und abwechslungsreich.

Ich weiß, dass Du zwei kleine Mädchen hast, die bestimmt ganz stolz auf ihre Clowns-Mama sind. Nimmst Du die beiden manchmal mit zu Auftritten? 

Meine Mädels finden das natürlich total spannend! Ich nehme sie allerdings nur selten mit zu Veranstaltungen, da ich als Clown in eine Rolle schlüpfe und sehe, wie sie das verunsichert. Ist ja klar, mit drei Jahren ist es schwer zu verstehen, dass Mama nicht nur Mama, sondern auch Clown ist :-). Die beiden lieben es allerdings, selbst Clown zu spielen: Wie Mama packen sie dann ihre Tasche und sagen, dass sie sich noch anmalen müssen, bevor sie zur Arbeit gehen.

Rike und Jenny

Mit diesen Clowns weiß man nie was als nächstes passiert!

Du bist im Gründerteam des gemeinnützigen Vereins Clowns im Einsatz. Welche Idee steckt dahinter und wo tretet Ihr auf?

Wir sind fünf Clowns, die regelmäßig für den Verein in verschiedenen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Seniorenheime und Kinder- und Jugendpsychiatrien auftreten. Dort besuchen wir hilfebedürftige Menschen und bereiten Ihnen fröhliche Momente. Der Verein finanziert sich hauptsächlich über Spenden, da viele Einrichtungen, die unsere Hilfe benötigen, gar nicht die finanziellen Mittel dafür haben.

Vielen Dank für das spannende Gespräch und alles Gute für Dich und die Clowns im Einsatz!

Mehr zu Clowns im Einsatz erfahrt Ihr hier.

Fotos:Rike Gössel, das Interview führte Sophie Blady

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