5 Fragen an … Rainer Brang, 40 Jahre, Erfinder

Hubert, Herbert? Nein, Hörbert! Wer ist aber genau dieser mysteriöse Hörbert? Vor kurzem erst entdeckte ich dieses Gerät, das sich MP3-Player nennt, und bin seitdem ganz begeistert. Nicht nur vom Design, sondern auch der Idee und Motivation. Ein Gerät, bei dem Nachhaltigkeit großgeschrieben wird. Mehr darüber und wie es entstand, erfahren wir von Rainer Brang, dem geistigen Vater und Erfinder.

Rainer Brang und seine hörberts

Rainer Brang fühlt sich zwischen seinen hörberts am wohlsten

Lieber Rainer Brang,

1. wer oder was ist eigentlich „hörbert“ und was kann ich damit alles machen?
Hörbert ist ein Kinder-Großmacher: Er ist ein „Hörspieler“, der Musik und Hörspiele abspielt. Durch sein einfaches Bedienkonzept können Kinder selbst bestimmen, was wann läuft. Das ist eine tolle Erfahrung für die Kleinen und eine Entlastung für die Eltern – und das über viele Jahre.

2. Wie kommt man auf die Idee, mal einfach einen MP3-Player zu erfinden, der dann auch noch in Serie geht?
Eines Abends war unser erster Sohn schon im Bett, als mir auffiel, dass ich ihm den ganzen Tag den Wunsch nach seiner Lieblingsmusik nicht erfüllt hatte. Das war für mich als junger Vater mit besten Vorsätzen fast schon dramatisch. Aber immer war irgendetwas anderes besonders wichtig.

Ich begann mich auf die Suche nach einem Abspielgerät zu machen, das er selbstständig betätigen kann. Jedoch fand ich nichts, was meinen Vorstellungen entsprach. Schließlich überlegte ich, dass ich als Entwickler die Elektronik selbst herstellen könnte, und mein Vater in seinem Hobbykeller ein Gehäuse dafür bauen kann. Besonders hübsch wäre das Ganze in Holz. Ein paar bunte Tasten sollten ausreichen, um die Playlists auseinander zu halten, denn ein Display konnte unser Sohn damals sowieso noch nicht lesen. Und natürlich musste alles digital sein, damit das Gerät auch was wegsteckt, weil ich es nicht dauernd reparieren wollte.

Wenige Wochen später erblickte der handgelötete Ur-Prototyp das Licht der Welt. An den Freudentanz unseres Sohnes kann ich mich noch sehr gut erinnern. Seitdem sind die beiden dicke Freunde. Das ist nun fünf Jahre her.

Hörspaß für die Kleinen

Schon die ganz Kleinen können mit dem Gerät umgehen

3. Wie entstand der Name?
Oh, der Name kam recht spät. Erst als ich die endgültige Form und die Materialien gefunden hatte, fing hörbert plötzlich an, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Das passte auch sehr gut zu den Erfahrungen in den Familien mit anderen (handgelöteten) Prototypen: hörbert war Teil des Alltags geworden wie ein neues Familienmitglied. Da kann man doch nicht durchs Haus rufen: Wo ist mein „X5873-Pro-Kid-Player-XXL“? Es heißt einfach: „Wo ist mein hörbert?“ Und: „hörbert kommt aber mit zur Oma.“

Hörbert - gebaut aus stabilen Materialien

Stabil gebaut: Das Lautsprechergitter und die Schrauben bestehen aus Edelstahl, der Lautstärkeregler ist aus Metall und der Drehknopf aus massivem Messing

4. Wo und wie werden die Geräte hergestellt und aus welchen Materialien?
Bei uns hängen diese Themen direkt voneinander ab. Handwerkliche Qualität, Haltbarkeit und damit auch Reparierbarkeit stehen an oberster Stelle. Ganz nach dem Motto: „Wenn schon, dann richtig“. Wir benutzen beispielsweise massive Buche für die Rahmen, die fingerverzinkt verleimt sind wie die Schubladen von 100 Jahre alten Tischen. An den Stellen, die ohne Kunststoff nicht wirtschaftlich realisierbar sind, verwenden wir weichmacherfreien ABS-Kunststoff (wie die beliebten Stecksteine aus Dänemark). Sehr, sehr wichtig ist uns ebenfalls die Nähe zu unseren Lieferanten. Wir profitieren von kurzen Wegen und einfacher Kommunikation. Manche Lieferanten können wir mit dem Fahrrad erreichen. Seit kurzem probieren wir auch die Zusammenarbeit mit einer Behindertenwerkstatt aus, und hoffen, dass daraus eine lange Partnerschaft wird.
Und schließlich sind wir hier im „engsten Kreis“ unserer Werkstatt in Nürtingen eine kleine schlagkräftige Truppe, die derzeit aus teilzeitbeschäftigten Müttern und mir besteht. Bei uns finden dann Endmontage, Test und Versand „unserer“ hörberts statt. Da ist dann auch mal was los, wenn in den Ferien ein paar Kinder nebenher malen – oder hörbert hören.

5. Ab welchem Alter empfehlen Sie den MP3-Player und welche Erfindung steht als nächstes auf dem Plan?
Durch unsere Erfahrung und das tolle Feedback der Kunden weiß ich, dass Kinder ab etwa zweieinhalb Jahren kräftig genug sind, hörbert selbstständig ein- und auszuschalten. In dem Alter spielen sie mit den Tasten und drehen am Lautstärkeregler herum, weil das einfach Spaß macht und witzig klingt. Hier nutzt auch hörberts zuschaltbare Lautstärkebegrenzung am meisten, da die Kleinen eher experimentell ans Hören herangehen. Dann wird es für die Eltern spannend, mitzubekommen, wann das Kind beginnt, aufmerksam der Musik oder den Geschichten zu lauschen. Oder im weiteren Schritt Stimmungen das Wunschprogramm bestimmen: Sehr häufig rufen Kinder durch das wiederholte Hören der gleichen Inhalte auch die gleichen Emotionen ab, die beispielsweise ein Hörspiel beim ersten Mal erzeugt hat. Freude, Gruseln, Action, Müdigkeit. Mit unserem zweiten Sohn hören wir schon seit drei Jahren beim Einschlafritual immer das gleiche Weihnachtslied. Das funktioniert einwandfrei. Manchmal bekommt er das Ende schon gar nicht mehr mit, weil er eingeschlafen ist.

Statt eines Displays gibt's viele bunte Knöpfe

Statt eines Displays: Mit den bunten Knöpfen können die Kinder den MP3-Player bedienen

Unser ältester Kunde war übrigens 95 Jahre alt. In dem Fall hat sich alles umgekehrt, denn sein Sohn hat ihm den hörbert geschenkt und ein paar wirklich alte Volkslieder zum Mitsingen aufgespielt. Das war der Renner. Vielleicht kommt auch als nächste Erfindung etwas für die Eltern, die uns immer wieder erzählen, wie neidisch sie sind, und dass sie nur darauf warten, bis die Kinder den hörbert nicht mehr haben wollen. Da sehe ich aber schwarz für die Eltern, denn wie gesagt: „Wenn mir mein hörbert ans Herz gewachsen ist, dann geht der mit, und wenn er nur in der Studentenbude auf dem Regal steht, oder ich ihn mit an den See nehme. Und vielleicht gebe ich ihn später meinen eigenen Kindern.“ Aber so eine Produktentwicklung ist kein Pappenstiel. Fest steht, dass wir uns mit unseren Kunden sehr wohl fühlen, und mit weiteren Produkten wie hörbert eine Alternative zum Mainstream bieten werden.

Lieber Herr Brang, herzlichen Dank für das Interview! Alles Gute für Sie und Ihre zukünftigen Erfindungen. 

Mehr Infos gibt’s unter http://www.hoerbert.com.

Fotos: Rainer Brang, Interview: Ingrid Sellien

3 Kommentare zu “5 Fragen an … Rainer Brang, 40 Jahre, Erfinder

  1. Tolle Sache! Hörbert ist eine klasse Idee – so können die kleinen Ihre eigene „Playlist“ bestimmen. Moderne Technik, die nicht im schnöden Plastikgehäuse daherkommt – eine geile Weihnachtsidee …

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  2. ich kann Rainer nur zustimmen. Unsere Große hat den Hörbert mit fast 3 bekommen und mit 6 hört sie immer noch fleißig. Im Urlaub darf er nicht fehlen. Die kleine hat ihn zum dritten Geburtstag bekommen und sie schleppt ihn überall mit hin!
    Die neusten CDs müssen gleich auf den Hörbert gespielt werden, damit man sie abends anhören kann. Einfach genial!
    Vor allem braucht er wenig Strom, d.h. die Batterien/Akkus halten sehr lange durch!
    Danke Rainer!

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  3. Hallo liebes Hörbert-Team,

    wann immer ich etwas von oder über Euch lese fühle ich mich genötigt das zu kommentieren.
    Meine Begeisterung für den Hörbert, der meine Tochter nun seit 3 1/2 Jahren begleitet (…und wohlgemerkt gerade mal die 5. oder 6. Batterieladung bekommen hat!) ist ungebrochen! An „Spieltagen“, zu Geburtstagen oder in ihrem Spielhaus ist der Pinocchio unter den Musikanlagen das absolute Highlight! Selbst bei mir habt Ihr damit eine große Leidenschaft geweckt.
    Ich genieße es die Qualität des Hörberts (…vor allem klanglich!) mit anderen namenhaften Herstellern zu vergleichen und am Ende das letzte Argument -den hohen Preis- mit dem nahezu unveränderten Zustand nach 3 1/2 Jahren und der langanhaltenden Begeisterung meines Krümels zu zerschmettern.
    Im April kommt mein Stammhalter zur Welt und es gibt keine Diskussion, wer ihn ins Traumland begleitet, wenn ich für Montagen fort bin.
    Vielen Dank dafür!

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